SiMa - Sprachbildung im Mathematikunterricht

Webseite zum Unterrichts- und Fortbildungskonzept
von Susanne Prediger und Team

 

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Worum geht es?

Das Unterrichts- und Fortbildungs-Konzept „SiMa – Sprachbildender Mathematikunterricht“ wurde seit 2009 in der MuM-Forschungsgruppe am IEEM Dortmund unter Leitung von S. Prediger forschungsbasiert entwickelt und auf Unterrichts-, Fortbildungs- und Qualifizierungsebene untersucht.

Leistungsstudien zeigen, dass sich migrations- und herkunftsbedingte Leistungsdisparitäten durch Sprachkompetenz erklären lassen: Sprachlich schwache Lernende zeigen geringere mathematische Leistungsstände und Lernzuwächse als sprachlich starke, dies betrifft nicht nur mehrsprachige Lernende (Diversitätsaspekt Migrationshintergrund), sondern auch einsprachige Lernende aus sozial unterprivilegierten Familien (Diversitätsaspekt soziale Herkunft) und Kinder mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen. Daher gibt es vielfältige Bemühungen, durchgängige Sprachbildung als Querschnittsaufgabe aller Fächer zu etablieren, diese Ansätze werden meist fachübergreifend konzipiert.

Im Oktober 2019 wurde das SiMa-Unterrichts- und Fortbildungs-Konzept ausgezeichnet mit dem Polytechnik-Preis für exzellente innovative fachdidaktische Unterrichtskonzepte zum Umgang mit Diversität (1. Preis dotiert mit 50.000 Euro von der Polytechnischen Gesellschaft).

 

SiMa-Unterrichtskonzept: Vier fach- und sprachintegrierte Prinzipien und ihre Umsetzung

(Bild von Bernd Ohmann)

 

Das SiMa-Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe 1 und 2 greift die fachübergreifend entwickelten sprachdidaktischen Ansätze auf und arbeitet sie in Design-Research-Projekten fachspezifisch aus. Denn damit Sprachbildung für den jeweiligen fachlichen Inhalt tatsächlich lernwirksam werden kann, müssen die spezifischen, fachlich relevanten sprachlichen Anforderungen adressiert werden: z.B. nicht allgemeine Lesestrategien, sondern konkrete Verstehensstrategien für die wichtigste Textsorte Textaufgaben; nicht irgendwelche Schreibaufträge, sondern ausgerichtet an denjenigen Sprachhandlungen und Sprachmitteln, die für den Aufbau von konzeptuellem Verständnis des jeweiligen mathematischen Konzepts am wichtigsten sind.

Ausgearbeitet wurde daher ein fach- und sprachintegriertes Unterrichtskonzept, das jeweils fachliche und sprachliche Lernpfade systematisch integriert. Das SiMa-Unterrichtskonzept basiert auf vier Prinzipien:

  1. Prinzip der reichhaltige Diskursanregungen: Lernende werden immer wieder zu diskursiv reichhaltigen Sprachhandlungen aufgefordert, insbesondere zum Erklären von Bedeutungen, Argumentieren und Erläutern mathematischer Rechenwege. Dafür werden sowohl kommunikativ aktivierende Unterrichtsmethoden und Gesprächsführungsstrategien als auch Scaffolds zur Unterstützung genutzt (s.u.).
  2. Prinzip des Makro-Scaffolding zur Sequenzierung entlang der Lernpfade: In Schritt 1 werden die fachbezogenen Vorerfahrungen der Lernenden in bedeutungsvollen, vertrauten Kontexten aktiviert und dabei auch die eigensprachlichen Ressourcen der Lernenden mobilisiert. Sie werden in Schritt 2 im gemeinsamen bedeutungsbezogenen Denkwortschatz systematisiert und kollektiviert. Er bildet die Basis, aus der in Schritt 3 die formalen mathematischen Konzepte und Operationen und formalsprachlichen Sprachmittel abstrahiert werden, die in Schritt 4 für die Bearbeitung inner- und außermathematischer Probleme genutzt werden. Unterstützt werden die Lernenden entlang dieser fachlichen und sprachlichen Lernpfade durch sprachliche Scaffolds (mit Mikro-Scaffolding-Impulsen, Satzgerüsten oder Sprachspeichern), strukturelle Scaffolds (z.B. durch geeignete Visualisierungen der mathematischen Struktur) oder strategische Scaffolds (z.B. in Concept Maps). Die adaptive Unterstützung setzt dabei alltagsintegrierte Kurzdiagnosen (z.B. durch kleine Schreibaufträge) voraus.
  3. Prinzip der Darstellungs- und Sprachebenen-Vernetzung: Entscheidend für die Bedeutungskonstruktionen beim sukzessiven Aufbau des sprachlichen und fachlichen Lernpfads ist die konsequente, wiederholte Verknüpfung verschiedener Darstellungsformen (graphisch, symbolisch, enaktiv, verbal) und (alltags-, bildungs- und fachsprachlichen) Sprachebenen, sie wird durch entsprechende vernetzende Aufgabenformate und Gesprächsführungs-Impulse realisiert.
  4. Prinzip der Formulierungsvariation: Für die Entwicklung von sprachlicher Bewusstheit dient das Prinzip der Formulierungsvariation: Um Lernende für sprachliche Feinheiten zu sensibilisieren, vergleichen sie nur leicht variierte Formulierungen (z.B. „reduziert auf 30 %“ versus „reduziert um 30 %“) und erklären die Bedeutungsvariation.

Zu dem SiMa-Unterrichtskonzept wird im Herbst 2019 ein Praxis-Buch im Cornelsen-Verlag erscheinen.

Konkret ausgearbeitet und forschungsbasiert entwickelt wurde das SiMa-Unterrichtskonzept Themen aller Jahrgänge (Multiplikatives Grundverständnis, Textaufgaben, Volumenkonzept, Brüche, Prozente, Terme, Funktionen, Ableitung, Beweisen, ...), jeweils mit Unterrichtsmaterialien mit kurzen diagnostischen Anlässen und (selbst-)differenzierenden Aufgaben, die zunächst in Kleingruppen und dann im Klassenverband erprobt und untersucht wurden. Die Unterrichtsmaterialien werden sukzessive als Open Educational Resources online verfügbar gemacht unter diesem Link.

SiMa-Fortbildungs-Konzept: Inhalte und ihre Umsetzung in Fortbildungsmaterial

(Bild von Bernd Ohmann)

 

Sprachbildend Mathematik unterrichten ist für Lehrkräfte anspruchsvoll: Zwar konnte mit gut eingearbeiteten Lehrkräften für mehrere mathematische Themen nachgewiesen werden, dass das SiMa-Unterrichtskonzept fachlich lernwirksam ist . Doch zeigen sich erhebliche Unterschiede in den unterrichtlichen Umsetzungen durch die Lehrkräfte. Wie auch für andere Unterrichtskonzepte erweist sich also die Professionalisierung der Lehrkräfte als entscheidend. Daher wurde neben dem SiMa-Unterrichtskonzept auch ein SiMa-Fort-(und -Aus-)bildungskonzept entwickelt.

Durch Analyse der unterrichtlichen Praktiken von Lehrkräften wurde die notwendigen Inhalte des SiMa-Fortbildungskonzepts immer weiter ausdifferenziert, um Lehrkräfte zur Bewältigung folgender sprachdidaktischer Anforderungssituationen zu befähigen:

  • Fachlich relevante sprachliche Anforderungen identifizieren
  • Sprachstände diagnostizieren
  • Sprachhandlungen einfordern
  • Sprache unterstützen und
  • Sprachkompetenzen der Lernenden sukzessive aufbauen

In der Fortbildung werden die Lehrkräfte mit den oben genannten Prinzipien 1-4 und didaktischen Werkzeugen (sprachlicher und fachlicher Lernpfad, diskursiv aktivierende Methoden, sprachliche, strukturelle und strategische Scaffolds, Sprachspeicher u.v.m.) vertraut gemacht. Die dahinter liegenden sprachdidaktischen Konstrukte und Orientierungen werden in reichhaltigen Fortbildungsaktivitäten erarbeitet, dazu gehören z.B. offensive statt defensive Strategien, Fokus auf Diskursebene statt allein Wortebene, integrativer statt additiver Ansatz.

Konkret realisiert wurde das Fortbildungskonzept als Fortbildungsreihe mit 4 Bausteinen (à 3-6 h Fortbildung) und dazwischen liegenden Distanzphasen, in der Elemente des Unterrichtskonzepts von den Lehrkräften praktisch erprobt und reflektiert werden. Es ist inklusive der Unterrichtsfilme für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Fort- und Ausbildung (nach einmaliger Registrierung) zugänglich beim DZLM unter diesem Link

 


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