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MuM-Multi: Sprachenbildung im Mathematikunterricht unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit

MuM-Multi 1 (2014-2017): Wirksamkeit und Wirkungen von ein- und zweisprachigen fach-und sprachintegrierten Förderungen auf sprachliches und fachliches Verstehen

MuM-Multi 2 (2017-2020): Strategien mehrsprachigen Handelns in mathematischen Lehr-Lern-Prozessen von Bildungsinländern und Neu-Zugewanderte

Projektleitung:

Prof. Dr. Susanne Prediger (Dortmund, Mathematikdidaktik)
Prof. Dr. Angelika Redder (Hamburg, Linguistik)
Prof. Dr. Jochen Rehbein (Hamburg / Antalya, Linguistik) (2014-2017)

Projektteam:

Mathematikdidaktik, Dortmund:

  • Dr. Alexander Schüler- (2014-2020)
  • Taha Kuzu (2014.2018)
  • Dr. Lena Wessel (2014-2016)
  • Angela Uribe (2017-2020)

Linguistik, Hamburg:

  • Meryem Çelikkol (seit 2014)
  • Jonas Wagner (2014-2020)
  • Arne Krause (2017-2020)
Laufzeit:

Mum-Multi 1: September 2014 - Oktober 2017
Mum-Multi 2: Oktober 2017 - September 2020

Gefördert von: BMBF im Schwerpunktprogramm "Sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit"
Zusammenfassung:

Sprachförderung spielt in allen Unterrichtsfächern der Sekundarstufe 1 eine wichtige Rolle. Untersucht wird in der Studie, exemplarisch in der Mathematik, wie unter den Bedingungen von Mehrsprachigkeit die Förderung von fachlich-konzeptuellem Verständnis und verstehensprozessierendem sprachlichen Handeln integriert werden können, und welchen Einfluss das (mehr-)sprachige Vermögen auf Verstehensprozesse nimmt.

Für die quantitative Untersuchung der Wirksamkeit der Intervention wird ein quasi-experimentelles Prä-Post-Follow-up-Design gewählt. Abhängige Variable sind die Leistungszuwächse im fachlich-konzeptuellen Verständnis zu Brüchen und in themenbezogenen bildungssprachlichen Leistungen, differenziert nach mehrsprachigen Ressourcen der Lernenden. Die Intervention wird variiert nach ein- oder zweisprachiger Förderung (unabhängige Variable).

Die qualitativen Analysen der Wirkungen nutzen die videographierten Förder­prozesse. Im mathematikdidaktischen Teilprojekt Dortmund werden auf der Basis mathematikdidaktischer Mikroanalysen Fallkontrastierungen nach Interventionsform durchgeführt, insbesondere im Hinblick auf fachlich-konzeptuellles Verständnis, im linguistischen Teilprojekt Hamburg sprachliche Analysen. Als Ertrag leitet sich eine differenzierte Einschätzung ab, wie lohnend die systematische Aktivierung der Erstsprache als verstehensprozessierende Arbeitssprache ist. Zudem entstehen zwei konkret evaluierte, schulpraktisch nutzbare fach- und sprachintegrierte Förderkonzepte

Die Forderung nach Einbezug mehrsprachiger Ressourcen in schulische Lernprozesse hat nicht zuletzt durch die hohe Zahl Neu-Zugewanderter weitere Aktualität gewonnen. Trotz dieser großen und aktuellen Relevanz liegen für den Fachunterricht aller Schulfächer bislang wenig Konzepte und empirische Erkenntnisse vor, wie der Einbezug mehrsprachiger Ressourcen in sprachlich heterogenen Klassen zu gestalten ist, und welche Wirkungen dies auf die fachlichen Verstehensprozesse haben kann.


Das Projekt MuM-Multi 2 setzt sich daher zum Ziel, alltagstaugliche Konzepte und Beiträge zur Theoriebildung einer Didaktik des mehrsprachigen Fachunterrichts zu entwickeln. Es setzt das Vorgängerprojekt MuM-Multi 1 fort, in dem die Bedeutung und Gelingensbedingungen mehrsprachiger Diskurse für mathematisch konzeptuelle Verstehensprozesse von deutsch-türkischen Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern quantitativ und qualitativ am Beispiel des mathematischen Themengebiets Brüche untersucht wurden, in interdisziplinärer Kooperation zwischen Linguistik und Mathematikdidaktik. Die Fortsetzung erfolgt wiederum interdisziplinär

  • durch Ausweitung auf andere Zielgruppen von türkisch-deutsch mehrsprachigen Bildungsinländern („Alt-Zugewanderte“) hin zu primär arabischsprachigen Neu-Zugewanderten (Arbeitsbereich A),
  • durch Vertiefung der empirischen Einsichten in mehrsprachige Kleingruppenprozesse im Zuge eines Vergleichs mit Daten und Prozessen der Neu-Zugewanderten (Arbeitsbereich B) sowie
  • durch das praxisbezogen zentrale Ziel der Integration der Ansätze zur Aktivierung mehrsprachiger Ressourcen nicht nur im Kleingruppen-Förderunterricht, sondern im Klassenunterricht sprachlich heterogener Klassen (Arbeitsbereich C).

Im Arbeitsbereich A werden Leistungs- und Hintergrunddaten von ein- und mehrsprachigen Bildungsinländern und mehrsprachigen Neu-Zugewanderten (re-)analysiert und verglichen. Dazu wird der Datensatz der Ausgangsstichprobe von Bildungsinländern erweitert um Neu-Zugewanderte, um durch Kovariations- und Regressionsanalysen die Zusammenhänge zwischen Sprachprofilen und Mathematikleistungen vergleichend zu untersuchen.
Im Arbeitsbereich B werden mehrsprachige kooperative Aufgabenbearbeitungen in Kleingruppen für Neu-Zugewanderte initiiert und mit den vorliegenden Video-Daten der deutsch-türkischen Bildungsinländern aus MuM-Multi 1 vergleichend analysiert, und zwar hinsichtlich der diskursiv aktivierten Formen und Strategien mehrsprachigen Handelns und ihrer situativen Wirkungen auf die fachlichen Verstehensprozesse.
Beides dient als Vorarbeit für den Arbeitsbereich C, in dem regulärer Mathematikunterricht in sprachlich heterogenen Klassen entwickelt und erforscht wird, und zwar im Forschungsrahmen von Design Research (Prediger, Gravemeijer & Confrey 2015). Mit drei Designexperimentzyklen werden Klassen zur Integration und Erprobung verschiedener Formen und Strategien mehrsprachigen Handelns angeregt und in zyklischer Entfaltung beobachtet.
Die Analyse der initiierten Lehr-Lernprozesse liefert im Arbeitsbereich D innovative Theoriebeiträge für eine Didaktik des mehrsprachigen Fachunterrichts in sprachlich heterogenen Klassen. Sie nimmt dabei nicht nur das DaZ-Lernen, sondern darüber hinaus handlungsanalytisch bestimmbare mehrsprachige Ressourcen als Lernmedium in fachlichen Verstehensprozessen in den Blick mit dem Ziel, diese zu systematisieren.
Als Ertrag leitet sich mit Blick auf Sprachfördermaßnahmen eine differentielle Einschät­zung ab, wie lohnend die systematische Aktivierung von mehrsprachigen Ressourcen für die Verstehensprozessierung sind und inwieweit sich diese Aktivierung auch für mehrsprachige Bildungsinländer und Neu-Zugewanderte als probate Förderung erweist. Darüber hinaus wird ein Konzept für eine Implementierung in den schulischen Alltag heterogener Klassen erprobt. Theoretisch wird ein Beitrag zur Bestimmung mehrsprachigen Handelns im Fachunterricht am Beispiel mathematischen Konzeptverstehens in transdisziplinärer Weise ausformuliert, sodass sich curriculare Konsequenzen und Lehrerausbildungskonzepte darauf gründen lassen.

Publikationen

Zentrale Publikationen aus dem Projekt:

  • Kuzu, T., & Prediger, S. (2017). Two languages – separate conceptualizations? Multilingual students’ processes of combining conceptualizations of the part-whole concept. In B. Kaur, W. K. Ho, T. L. Toh, & B. H. Choy (Eds.), Proceedings of the 41st Conference of the International Group for the Psychology of Mathematics Education (Vol. 3, pp. 121-128). Singapore: PME

  • Redder, A., Cellikol, M., Wagner, J. & Rehbein, J. (2018). Mehrsprachiges Handeln im Mathematikunterricht. Münster: Waxmann

  • Schüler-Meyer, A., Prediger, S., Kuzu, T., Wessel, L., & Redder, A. (i.Dr.). Is Formal Language Proficiency in the Home Language Required to Profit from a Bilingual Teaching Intervention in Mathematics? International Journal of Science and Mathematics Education. doi:10.1007/s10763-017-9857-8.
  • Schüler-Meyer, A., Prediger, S., Wagner, J., & Weinert, H. (im Druck). Bedingungen für zweisprachige Lernangebote – Videobasierte Analysen zu Nutzung und Wirksamkeit einer Förderung zu Brüchen. Psychologie in Erziehung und Unterricht.

Weitere Publikationen aus dem Projekt

  • Çelikkol, M. (2016). MuM-Multi: Çok Dillilik Işığında Matematik Dersinde Dil Teşviki – Tek ve iki Dilde Alan ve Dil Uyumlu Yapılan Teşviklerin Dilsel ve Alansal Kavramada Etkinliği ve Etkisi. Bir Çocuk – İki Dil. Esen, Erol (Hrsg,), Berlin Örneğinde Türk-Alman Okul Öncesi Eğitim Koşulları ve Fırsatlar. Ankara: Siyasal Kitabevi, 277-292.
  • Çelikkol, M. (2016). MuM-Multi: Sprachförderung im Mathematikunterricht unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit – Wirksamkeit und Wirkung von ein- und zweisprachigen fach- und sprachintegrierten Förderungen auf sprachliches und fachliches Verstehen. In E. Esen (Hrsg.), Ein Kind – Zwei Sprachen. Bedingungen und Perspektiven der Deutsch-Türkischen Frühkindlichen Bildung am Beispiel Berlin. Ankara: Siyasal Kitabevi, 309-324.
  • Rehbein, J. & Herkenrath, A. (2015). Converbs in monolinguals’ and bilinguals’ Turkish. In D. Deniz Zeyrek, Ç. S. Şimşek, U. Ataş, & J. Rehbein (Hrsg.), Ankara Papers in Turkish and Turkic Linguistics. Series Turcologica. Wiesbaden: Harrassowitz, 493-513.
  • Schüler-Meyer, A. (2017). Formation of language identities in a multilingual teaching intervention on fractions. . Eurasia Journal of Mathematics, Science & Technology Education, 13(7b), 4211-4236. doi:10.12973/eurasia.2017.00807a