"mathe 2000" ist ein 1987 an der Universität
Dortmund gegründetes wissenschaftliches Projekt zur Entwicklung
und Erforschung des Mathematikunterrichts aller Stufen ausgehend
von einer Auffassung der Mathematik als Wissenschaft von interaktiv
erforschbaren Mustern und der Mathematikdidaktik als "design
science". Im Gegensatz zu einer Spezialisierung auf Einzelfragen
der Mathematikdidaktik werden bei "mathe 2000" das Design von
Lernumgebungen, die empirische Forschung, die Lehrerbildung,
die Bildungsberatung und die Öffentlichkeitsarbeit als
Gesamtaufgabe gesehen und wahrgenommen. Die zugrunde liegenden
gesellschafts- und bildungspolitischen Vorstellungen sind in
dem Taschenbuch Jenseits
von PISA. Bildungsreform als Unterrichtsreform. Ein Fünfpunkteprogramm
aus systemischer Sicht bündig zusammengefasst.
„mathe 2000“ wurde ins Leben gerufen,
um ein Gegengewicht zu pädagogisch-didaktischen Moden und
zu bildungspolitischem Aktionismus zu setzen und von einer unabhängigen
Position aus Lehrerinnen und Lehrer mit praxistauglichen hochwertigen
Materialien konkret zu unterstützen. Bewusst wurde an historische
Bemühungen zur Verbesserung von Erziehung und Unterricht
angeknüpft, insbesondere an die Werke der vier „Erzväter“
von „mathe 2000“: des amerikanischen Bildungsphilosophen
John Dewey (1859-1953), des deutschen Pädagogen und Didaktikers
Johannes Kühnel (1869-1928), des Schweizer Psychologen
und Erkenntnistheoretikers Jean Piaget (1896-1980) sowie des
deutsch-niederländischen Mathematikers Hans Freudenthal
(1905-1990).
Eine zentrale Rolle in dem "systemisch-evolutionären"
Ansatz von "mathe 2000" spielt der kontinuierliche
Ausbau eines Theorie-Praxis-Netzwerks, durch das ein Austausch
quer über alle Bereiche hergestellt wird. Das zweibändige
"Handbuch produktiver Rechenübungen", das Herzstück
von "mathe 2000", spielt hierbei als Basistext eine fundamentale
Rolle. Eine Übersicht über das Projekt liefert die
Festschrift 10 Jahre
mathe 2000. In den ersten 15 Jahren stand die Entwicklung
des Mathematikunterrichts der Grundschule im Vordergrund. Ab
2000 wurde intensiv an einem geschlossenen Programm für
die mathematische Frühförderung im Kindergarten gearbeitet,
das 2006 abgeschlossen wurde. Nächstes Ziel ist die Erweiterung
des Ansatzes auf die Sekundarstufe.
Als Logo des Projekts wurde die geometrische
Darstellung der ersten vier Zahlen in Dreiecksform gewählt.
Diese "Vierzahl" (griechisch "tetraktys") drückte für
Pythagoras (um 550 v.Chr.) die Harmonie des Kosmos aus: Bei
Halbierung einer gespannten Saite im Verhältnis 1:2 erklingt
die Oktave, im Verhältnis 2:3 die Quinte und im Verhältnis
3:4 die Quarte.
Leitfigur für Grundschulkinder ist der schnüffelnde
Igel, der eine aktiv-entdeckende Grundeinstellung zum Lernen
verkörpert. |